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12. Dezember 2019

30 Jahre europäischer Binnenmarkt für Bauprodukte: Generalversammlung der EOTA tagt in Brüssel

Um Personelles, strategische Fragen und Qualitätsverbesserungen ging es bei der 15. Generalversammlung der Europäischen Organisation für Technische Bewertung, kurz EOTA (European Organisation for Technical Assessment). Die gemeinnützige Organisation mit Sitz in Brüssel koordiniert das ETA*-Verfahren, das eine CE-Kennzeichnung – und damit die europaweite Vermarktung – von Bauprodukten ermöglicht, die nicht oder nicht vollständig von einer harmonisierten Norm erfasst sind. Der EOTA sind alle Technischen Bewertungsstellen (wie z.B. das DIBt in Deutschland) angeschlossen, die zur Ausstellung von ETAs nach der Bauproduktenverordnung berechtigt sind. Die wichtigsten Ergebnisse der 15. Generalversammlung in aller Kürze:

Personelles: Bekannte und neue Gesichter

  • Nach vier erfolgreichen Jahren im Amt gab Sebastian Wall (ITB, Polen) den Posten des EOTA-Schatzmeisters an Eduardo Lahoz Ruiz (IETcc, Spanien) weiter. Wall bleibt der EOTA jedoch als Mitglied der Financial Working Group mit seinem Fachwissen erhalten. Der scheidende und der neue Schatzmeister bedankten sich bei den Delegierten der Technischen Bewertungsstellen für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen. Der Treasurer (Schatzmeister) ist in seiner Funktion auch Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses (Executive Board) der EOTA. Diesem Gremium gehören neben EOTA-Präsident Dr.-Ing. Karsten Kathage (DIBt), Generalsekretär Sergio Vazquez Jimenez (EOTA, Brüssel) und der Vorsitzenden des Technischen Ausschusses (Technical Board) Luisa Morfini (IteC, Italien) derzeit 6 weitere Mitglieder an.
  • Neu in der Runde dieser 15. Generalversammlung waren die Vertreter von BM Trada Litauen. Die Delegierten stimmten dem Beitrittsgesuch der lettischen Bewertungsstelle zu. Die BM-Trada-Gruppe ist bereits mit einer britischen Stelle in der EOTA vertreten. Neben BM Trada bemühen sich derzeit zahlreiche weitere britische Stellen um eine Benennung als Technische Bewertungsstelle (TAB-Stelle) in einem weiteren EU-Mitgliedstaat.

Strategisches: Brexit & Überarbeitung der Bauproduktenverordnung

  • Um den Brexit ging es unter dem Tagesordnungspunkt „Strategische Angelegenheiten“. Im Falle eines Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU planen die britischen Stellen ein nationales Bewertungssystem aufzubauen, das eng an das ETA-System angelehnt ist und zu einem nationalen Kennzeichen „UKCA“ führen soll. EOTA will den Stellen eine enge Kooperation anbieten und sie ermutigen, weiterhin am EOTA-Geschehen teilzunehmen. Dazu Dr.-Ing. Karsten Kathage: „Es ist für alle – Hersteller, Bauausführende und Bewertungsstellen – von Vorteil, wenn die europäischen und britischen Spezifikationen eng aufeinander abgestimmt, wenn nicht sogar identisch sind. Das sollte unser Ziel sein.“
  • Intensiv beschäftigten sich die Delegierten der Generalversammlung auch mit dem Bewertungsbericht der Europäischen Kommission zur Bauproduktenverordnung, der Ende Oktober 2019 erschienen ist [1]. Der Bericht legt nahe, dass die Kommission die Bauproduktenverordnung grundlegend überarbeiten möchte. Details dazu, wie dies aussehen könnte, fehlen aber. „Die Europäische Kommission wirkt überrascht darüber, wie deutlich sich die Bauindustrie für die Beibehaltung der Bauproduktenverordnung – trotz der bekannten Schwächen und Mängel – ausgesprochen hat. Das zeigt, wie wichtig ein funktionierender Binnenmarkt für die Bauwirtschaft ist.“ – „Urteile, wie das James-Elliott-Urteil, dürfen nicht zu einer Lähmung des Binnenmarktes führen“, so verschiedene Stimmen aus der EOTA.

Technisches: Verbessertes Qualitätsmanagement

  • Die Vorsitzende des Technical Board der EOTA, Luisa Morfini, berichtete über die erfolgreiche Implementierung des neuen EOTA-Qualitätsmanagementsystems für Europäische Bewertungsdokumente (EAD*). Zur Umsetzung dieses Projekts hat EOTA im Herbst dieses Jahres einen neuen internen Qualitätsmanager eingestellt. Tomaso Cuoghi war zuvor bei einem italienischen Hersteller im Bereich „Bewertung und Zertifizierung“ tätig und betreute in dieser Funktion ETA- und EAD*-Verfahren von Herstellerseite. In seiner neuen Rolle hat er sich bereits gut eingefunden. Als weiteres Instrument zur Qualitätssicherung haben die Europäische Kommission und die EOTA eine Checkliste „Qualität“ abgestimmt. Luisa Morfinis Resümee: „Wir sind auf einem guten Weg – auch dank der engen Abstimmung mit der Europäischen Kommission. Wir können aber noch mehr erreichen.“

Ausblick auf 2020

  • Seit 29 Jahren gestaltet die EOTA den europäischen Binnenmarkt für Bauprodukte mit, der ohne die ETA-Route unvollständig und für innovative und andere nicht genormte Produkte unzugänglich wäre. 2020 feiert die Organisation ihr dreißigjähriges Bestehen. Ein Grund zu feiern, beschlossen die Delegierten der Generalversammlung und setzen einen Festtermin im November 2020 an (weitere Informationen folgen).

[1] Evaluation of Regulation (EU) No 305/2011 of the European Parliament and of the Council of 9 March 2011 laying down harmonised conditions for the marketing of construction products and repealing Council Directive 89/106/EEC, SWD(2019) 1771 final

*Abkürzungsverzeichnis

ETA – European Technical Assessment, Europäische Technische Bewertung. Bewertung, die die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten ermöglicht, die nicht oder nicht vollständig von einer harmonisierten Norm erfasst sind.

EAD – European Assessment Document, Europäisches Bewertungsdokument. Enthält Prüf- und Bewertungsverfahren für die Europäische Technische Bewertung, gilt ebenso wie eine harmonisierte Norm als harmonisierte technische Spezifikation.

EOTA-Präsident Dr.-Ing. Karsten Kathage und Vertreter von BM Trada Lettland Kaspars Šķēle und Nikolajs Semjonovs
EOTA-Präsident Dr.-Ing. Karsten Kathage (Mitte) mit den Vertretern von BM Trada Lettland Kaspars Šķēle (links) und Nikolajs Semjonovs (rechts)