22. Juni 2021

Kurzberichte über Forschungsvorhaben von bauaufsichtlichem Interesse

Das DIBt initiiert, vergibt, begutachtet und betreut im Auftrag der Bauministerkonferenz bautechnische Untersuchungen von allgemeinem bauaufsichtlichem Interesse. In den letzten Monaten wurden Forschungsvorhaben abgeschlossen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Vergleichsberechnungen zu stehenden zylindrischen Tanks

Forschende Stelle:

Karlsruher Institut für Technologie
KIT Stahl- und Leichtbau
Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine
Otto-Ammann-Platz 1
76131 Karlsruhe

Autoren: Prof. Dr.-Ing. Thomas Ummenhofer, Prof. Dr.-Ing. Peter Knödel, Dr.-Ing. Sven Nagel
Lfd. Nr.: 19.82

Mit nur wenigen Ausnahmen werden in Deutschland seit 1. Juli 2012 die Eurocodes als verbindliches Regelwerk für die Bemessung und den Nachweis der Standsicherheit von Bauwerken und baulichen Anlagen angewendet. Der Eurocode 3 Teil 4-2 "Tankbauwerke" hat erst mit dem Entwurf der Änderung 1 im Jahr 2014 einen Fortschreibungsstand erreicht, für den die Durchführung der sog. Vergleichsberechnungen vor dem Hintergrund der Aufnahme in die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) zielführend war.

Ausgangspunkt des Forschungsprojekts „Vergleichsberechnungen zu stehenden zylindrischen Tanks“, beauftragt durch das Deutsche Institut für Bautechnik, war die Vorgabe, dass die in Deutschland lange im Einsatz befindliche Tankbaunorm DIN 4119-1:1979-06 in Verbindung mit DIN 4119‑2:1980-02 im Zuge der Umstellung auf die Eurocodes durch entsprechende Normen zu ersetzen ist. Als vorrangiges Ziel galt es, das von der Norm DIN EN 1993-4-2 für die Standsicherheit von Tankbauwerken vorgegebene Nachweis­format durch Vergleichsberechnungen zu bestätigen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde DIN EN 1993-4-2:2010-12 unter Berücksichtigung von DIN EN 1993-4-2/FprA1:2014-10 auf das mit dem neuen Regelwerk erzielbare Sicherheitsniveau und seine Praxistauglichkeit geprüft. Dabei wurden Schwachstellen identifiziert und diskutiert sowie Vorschläge für Ergänzungen und Konkretisierungen der Norm erarbeitet. Für die Vergleichs­berechnungen wurden drei typische Geometrien kleiner, mittlerer und großer Tankbauwerke mit der eingesetzten Betreuergruppe abgestimmt. Neben den repräsentativen Abmessungen wurden unterschiedliche Einwirkungsszenarien untersucht. Je fünf prüffähige statische Berechnungen nach DIN 4119 und EC 3 lieferten die Grundlage für einen Vergleich der Sicherheitsniveaus. Dieser Vergleich erfolgte in erster Linie durch den Vergleich der Ausnutzungsgrade einzelner Bauteile. Die dadurch aufgedeckten Unterschiede wurden anschließend theoretisch aufgearbeitet und bewertet. Dabei wurde bei Anwendung des neuen Regelwerks (EC3) u. a. eine allgemeine Erhöhung des Sicherheitsniveaus in der Mantelbemessung festgestellt. Diese beruht auf anderen Sicherheitsbei­werten und umfassenderen Bemessungsverfahren. Im Ergebnis der Untersuchungen wurde die Bemessungsnorm DIN EN 1993-4-2 als geeignetes Substitut für die Bemessungsverfahren nach DIN 4119 bestätigt.

Ergänzend wurden Anforderungen an die Herstellung, Montage und Prüfung nach DIN EN 1090-2 in Verbindung mit den Ausführungsnormen DIN EN 14015:2005-02 für Tanks bei Umgebungstemperatur und höheren Temperaturen sowie DIN EN 14620:2006‑03 für Kryotanks betrachtet. Die vorgenannten Ausführungsnormen DIN EN 14015 und DIN EN 14620 enthalten Bemessungsregeln, die nicht mit der Philosophie des Eurocode-Regelwerks vereinbar sind. Die dort enthaltenen spezifischen Anforderungen an die Herstellung, Montage und Prüfung in Ergänzung zu DIN EN 1090-2 sowie an bestimmte Konstruktionsdetails sind jedoch sinnvoll und notwendig.

Anforderungen zum baulichen Schallschutz gegen Außenlärm in DIN 4109 unter Berücksichtigung des derzeitigen Stands der Technik als Grundlage für bauaufsichtliche Regelungen

Forschende Stelle:

Müller-BBM GmbH
Herr Dr.-Ing. Meier
Robert-Koch-Straße 11
82152 Planegg bei München

Lfd. Nr.: 5.125

Bezogen auf das Schutzziel beim Schallschutz gegen Außenlärm ist bekannt, dass derzeit übliche Bauteilkennzeichnungen der Außenbauteile und schalltechnisch verschiedene Außenlärmarten zu abweichenden Innenpegeln in schutzbedürftigen Aufenthaltsräumen führen können. Die gebräuchliche Deklaration des Außenbauteils mit einem nach DIN EN ISO 717 aus dem Frequenzspektrum abgeleiteten bewerteten Schalldämm-Maß als Einzahlangabe stößt an ihre Grenzen. Als Ausgleich wurden Korrektursummanden für Außenlärmarten angewendet. Zum Teil sind Spektrums-Anpassungswerte für die Bauteileigenschaften verfügbar, die bislang jedoch in den zentralen Regelwerken im Schallschutz noch nicht angewendet werden.

Aus bauaufsichtlicher Sicht ist für die Mindestanforderungen des baulichen Schallschutzes gegen Außenlärm die DIN 4109 die zentrale technische Regel. Diese Regel wird derzeit von Anwendern und Betroffenen stark und kontrovers diskutiert, da erstmalig ein Korrektursummand für die Außenlärmart Schienenverkehr aufgenommen wurde. Es ist mangels aktueller Forschung nicht hinreichend abgesichert, ob weitere Anpassungen erforderlich sind, da eine eingehende Befassung mit der Thematik rund 30 Jahre zurückliegt.

In einem ersten Schritt wurde die Historie der Entwicklung des Schallschutzes gegen Außenlärm in den deutschen Regelwerken aufgearbeitet und exemplarische Vergleichsrechnungen durchgeführt. In einem weiteren Schritt wurde untersucht, ob eine verbesserte Nachweisführung durch eine frequenzabhängige Berechnung möglich erscheint. Da einerseits die Kenngröße für den Straßenverkehr auch zukünftig nur mit A-bewertetem Schallpegel berechnet wird und das Berechnungsverfahren in DIN 4109 auf Einzahlangaben basiert, wird dieser Weg nicht weiterverfolgt. Auch die Einbeziehung der Spektrums-Anpassungswerte von Außenbauteilen lässt keine universelle Verbesserung des Nachweisverfahrens erkennen.

Zur Bewertung der derzeitigen Nachweisführung wurden im Rahmen der Forschungsarbeit Außenlärmspektren aus Regelwerken für die Berechnung von Verkehrslärm und exemplarischen Messungen zusammengetragen, um einen Überblick über zu erwartende Außenlärmspektren zu erhalten. Diese wurden systematisch mit exemplarischen Schalldämmspektren zur Ermittlung der Korrektursummanden ausgewertet und daraus Ansatzpunkte für die Überarbeitung der DIN 4109 abgeleitet. Des Weiteren wurde der spektrale Einfluss von Lärmschutzwänden aus dem Berechnungsverfahren abgeleitet, Einflüsse identifiziert und ein Vorschlag zur Berücksichtigung abgeleitet.

Die Untersuchung mündet in einem prinzipiellen Normungsvorschlag und fasst den noch erforderlichen Untersuchungsbedarf, Diskussionen und Entscheidungen zusammen.

Kennwerte und Rundversuch an Schaumglasschotterschüttungen (KRS)

Forschende Stelle:

Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.
Institut für Bauphysik
Herr Dr.-Ing. Weber
Hansastraße 27c
80686 München

Lfd. Nr.: 5.121

  1. Ausgangssituation
    Die Verwendung von Schaumglasschotter als lastabtragende Wärmedämmung unter der Bodenplatte ist in nationalen Zulassungen und europäischen Bewertungen geregelt. Für die Bestimmung der mechanischen und bauphysikalischen Kennwerte wird auf bestehende Normen aus den Bereichen Dämmstoff und Gesteinskörnungen zurückgegriffen und diese werden in den Zulassungen/Bewertungen spezifiziert. Durch die besonderen mechanischen Eigenschaften des Schaumglasschotters (sehr leicht, gebrochene Struktur, grobe Körnungen bis 80 mm) müssen für einzelne Prüfverfahren Abweichungen zur Prüfvorschrift vorgenommen werden. Um die Anwendung der in Bezug genommenen Normen zu überarbeiten, sollen im Rahmen dieses Forschungsvorhabens die Verfahren weiter präzisiert und verbessert werden. Ziel dabei ist es, die Vergleichbarkeit der Prüfungen zu erhöhen.
  2. Durchführung
    Im Zeitraum von 2017 bis 2019 wurden in dem vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) geförderten Forschungsvorhaben „Kennwerte und Rundversuch an Schaumglasschotterschüttungen (KRS)“ am Fraunhofer-Institut für Bauphysik und dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW) an zwei verschiedenen Schaumglasschotterproben Laborversuche durchgeführt. Dabei wurden folgende Kenngrößen und Verfahren geprüft: Materialvorbehandlung, Bestimmung der Schüttdichte und Hohlraumgehalt (DIN EN 1097-3:1998-06), Bestimmung der Korngrößenverteilung (DIN EN 933-1:2012-03), Bestimmung der Rohdichte und Wasseraufnahme (DIN EN 1097-6:2013-09), Bestimmung der Druckbeanspruchung (DIN EN 826:2013-05), Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstands (DIN EN 12667:2001-05), Bestimmung der Wasseraufnahme bei langzeitigem Eintauchen (DIN EN 12087:2013-06 – ersetzt durch DIN EN ISO 16535:2019-10).
  3. Ergebnisse
    Anhand von Literaturrecherchen, Abstimmungen zwischen den beteiligten Prüflaboren und Vergleichsmessungen konnten für die Messungen von Kennwerten an Schaumglasschotter Vorschläge für angepasste Prüfvorschriften und Verfahren entwickelt werden. Für alle Verfahren wurde nach den Anpassungen eine gute Übereinstimmung bei den Messergebnissen der beiden beteiligten Institute erzielt. Die vorgeschlagenen Änderungen betreffen sowohl die verwendeten Geräte und Prüfrahmen als auch die Vorgehensweise bei der Prüfung. Bei der Definition von neuen Prüfgeräten wurde darauf geachtet, dass diese auch für die Hersteller kostengünstig beschafft werden können.
  4. Schlussfolgerung
    Die Vorschläge für die angepassten Messverfahren und Prüfbehälter sollten Grundlage sein, um die Prüfungen im Rahmen der werkseigenen Produktionskontrolle und der Fremdüberwachung anzupassen und so vergleichbarer zu machen. Dies betrifft nicht nur die von den Prüfinstituten durchgeführten Prüfungen, sondern auch die Durchführung von Prüfungen durch die Herstellfirmen.

Bestimmung der Freisetzung von Formaldehyd aus Beton mit Verflüssiger auf Melaminsulfonat-Basis im DSLT (dynamic surface leaching test) gemäß DIN CEN/TS 16637-2 (Formaldehydfreisetzung aus Festbeton)

Forschende Stelle:

VDZ gGmbH
Herr Dr. rer. nat. Spanka
Toulouser Allee 71
40476 Düsseldorf

Lfd. Nr.: 20.100

Bei Prüfungen zur Erteilung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung für eine betonzusatzmittelhaltige Zementsuspension zur Kanalrohrsanierung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) wurden hohe Freisetzungen von Formaldehyd im inversen Säulenversuch festgestellt. Das DIBt und die Deutschen Bauchemie e. V. beauftragten den VDZ zu prüfen, ob zusatzmittelhaltiger Festbeton eine erhöhte Formaldehydfreisetzung aufweist. Es wurde eine zusatzmittelfreie Kontrollmischung im Vergleich zu einer Prüfmischung mit 2,4 M.-% v. z eines melaminsulfonathaltigen Zusatzmittels geprüft.

Die Ergebnisse des europäischen Langzeitstandtests ergaben, dass die Kontrollmischung so gut wie kein Formaldehyd freisetzte, während bei der Prüfmischung messbare Formaldehydfreisetzungen auftraten. Wie die ermittelte kumulative Freisetzung von 12,1 mg/m2 nach 64 Tagen in Relation zu dem vorgeschlagenen Geringfügigkeitsschwellenwert für Formaldehyd von 0,26 µg/L zu beurteilen ist, ist mit den zuständigen Behörden zu diskutieren.

Erarbeitung einer Handlungsanleitung zur Bewertung der Absturzsicherung von Fenstern in der Gebäudehülle und deren Einbau sowie einer Erläuterung zur Anwendung der ETB-Richtlinie

Forschende Stelle:

ift gem. Forschungs- u. Entwicklungsges. mbH
Herrn Dipl.-Ing. (FH) Jehl
Theodor-Gietl-Straße 7-9
83026 Rosenheim

Lfd. Nr.: 3.120

Bauteile der Gebäudehülle mit absturzsichernden Eigenschaften sind gegenüber statischen und stoßartigen Belastungen bezüglich der ausreichenden Tragfähigkeit des Bauteils einschließlich der Verankerung im tragenden Untergrund nachzuweisen. Die anzuwendenden Regelwerke wurden zu deutlich unterschiedlichen Zeitpunkten erarbeitet und veröffentlicht. Insbesondere die ETB-Richtlinie stammt aus dem Jahr 1985 und entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitskonzepten.

Daher war es das Ziel des beantragten Vorhabens eine Anleitung zu erarbeiten, die die notwendige Nachweisführung für absturzsichernde Fenster sowie die hierfür möglichen Nachweiswege eindeutig festlegt. Des Weiteren sollte analysiert werden, wie und unter welchen Randbedingungen beim Nachweis der Fensterbefestigung die statische Ersatzlast für den Anprall auf mehrere Befestigungspunkte verteilt werden kann.

Um das Forschungsziel zu erreichen wurden die aktuellen Anforderungen bzgl. der Nachweiswege und Nachweisverfahren für absturzsichernde Fenster analysiert und auf Konsistenz hinsichtlich der unterschiedlichen zu verwendenden Regelwerke überprüft. Ebenso erfolgte eine Analyse der Definitionslücken in den Regelwerken sowie Anforderungen, die von den möglichen Beteiligten (z.B. Statiker, Baubehörden, Prüfinstitute) unterschiedlich interpretiert und angewendet werden. Basierend auf dieser Analyse wurden entsprechende Vorschläge erarbeitet, wie mit den offenen Punkten zukünftig umgegangen werden sollte.

Ein wesentlicher Teil der Untersuchungen beschäftigte sich mit dem rechnerischen Nachweis des weichen Stoßes, insbesondere mit der Frage der Lastweiterleitung der lokalen Stoßbeanspruchung auf benachbarte Befestigungspunkte. Um diese Fragestellung zu beantworten, wurden die wesentlichen Parameter, die die Lastweiterleitung beeinflussen, in FEM-Berechnungen variiert. Das Berechnungsmodell wurde zuvor durch experimentelle Untersuchungen validiert. Aus der Parameterstudie wurde ein Vorschlag erarbeitet, unter welchen konstruktiven Randbedingungen eine Lastweiterleitung an benachbarte Befestigungspunkte angesetzt und hierdurch die Last am direkt beanspruchten Befestigungspunkt reduziert werden kann.

Zudem wurde neben dem bisherigen Ansatz, den Anprall durch eine statische Ersatzlast nachzuweisen, ein Vorschlag für ein Bemessungsverfahren erarbeitet, bei dem die Aufnahme der Anprallenergie in den Befestigungsmitteln nachgewiesen wird.

Das Forschungsvorhaben wurden von folgenden Firmen und Verbänden mit unterstützt: Adolf Würth GmbH & Co. KG, Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V, SFS Intec GmbH, Verband Fenster und Fassade e.V., Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft mbH.

Untersuchungen zum Tragverhalten von Ziegelmauerwerk bei doppelt exzentrischer Druckbeanspruchung

Forschende Stelle:

Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart
Herrn Dr.-Ing. Stegmaier
Pfaffenwaldring 4
70569 Stuttgart

Lfd. Nr.: 15.98

  1. Anlass
    Für die Festlegung von charakteristischen Werten der Druckfestigkeit von Mauerwerk werden im Rahmen des Zulassungsverfahrens zentrische Wanddruckversuche an diesem Mauerwerk durchgeführt. Bei Mauersteinen mit großen Lochquerschnitten werden zusätzlich üblicherweise doppelt exzentrische Wandversuche durchgeführt. Für die Festlegung von Bemessungswerten wird dabei ein Verhältnis von doppelt exzentrischer zu zentrischer Mauerwerksdruckfestigkeit von 0,9 im Hinblick auf das Sicherheitskonzept als noch akzeptabel erachtet. Ziel dieser Forschungsarbeit war es, eine Datenbasis für die Beurteilung des Tragverhaltens von Mauerwerk aus Mauerziegeln bei doppelt exzentrischer und zentrischer Druckbeanspruchung zu schaffen.
  2. Untersuchungsprogramm
    Für die Untersuchungen wurden 3 Planziegel mit unterschiedlichen Lochbildern verwendet und das Tragverhalten bei zentrischer und doppelt exzentrischer Druckbeanspruchung untersucht. Die Exzentrizität betrug bei den doppelt exzentrischen Versuchen jeweils 1/6 der Wanddicke bezogen auf die Schwerachse der Prüfwand. Bei der Herstellung der Prüfwände aus diesen Ziegeln wurde das Überbindemaß so variiert, dass sowohl Prüfserien mit einer Anordnung der Querstege Steg auf Steg und Steg auf Loch untersucht werden konnten.
  3. Versuchsergebnisse
    Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wurden Verhältniswerte von doppelt exzentrischer zu zentrischer Mauerwerksdruckfestigkeit von 0,56 bis 0,86, abhängig von der Lochung der Ziegel und der Anordnung der Querstege (Steg auf Steg bzw. Steg auf Loch), ermittelt. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Lochbilder sowohl bei der zentrischen als auch bei der doppelt exzentrischen Mauerwerksdruckfestigkeit eine deutliche Abhängigkeit der ermittelten Druckfestigkeiten von der Anordnung der Querstege aufweisen. Die Unterschiede bei Variation der Steganordnung betrugen hierbei bis zu 31%. Aus den ermittelten Versuchsergebnissen wurden dann charakteristische Bemessungswerte für die untersuchten Ziegelsorten abgeleitet und mit den Werten aus den Zulassungen verglichen. Dabei zeigte sich, dass bei Ziegelarten mit kleinen Lochquerschnitten, bei denen bisher keine doppelt exzentrischen Wandversuche für die Festlegung der Bemessungswerte im Zulassungsverfahren durchgeführt wurden, die Werte aus den Zulassungen je nach Ziegelart und Steganordnung bei der Prüfung nicht auf der sicheren Seite liegen.

Vergleich der normativen Auswirkung neuer Erdbebenkarten in Deutschland und den Anrainerstaaten

Forschende Stellen:

SDA-engineering GmbH
Prof. Dr.-Ing. Christoph Butenweg
Kaiserstr. 100, TPH III
52134 Herzogenrath

MJG Ingenieur-GmbH
Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Gebbeken
Gottfried-Keller-Straße 12
81245 München

Lfd. Nr.: 3.123

Im Rahmen dieses Forschungsberichts erfolgt ein Vergleich der seismischen Einwirkungen in deutschen Erdbebengebieten nach DIN EN 1998-1/NA-2020 mit den Einwirkungsniveaus in den Anrainerstaaten Niederlande, Belgien, Luxemburg, Polen, Tschechien, Österreich, Schweiz und Frankreich. Zusätzlich werden Portugal, Italien und Griechenland hinzugezogen, obwohl diese Länder nicht direkt an Deutschland grenzen. Für jedes der genannten Länder erfolgen eine Auswertung der aktuellen normativen Dokumente für die Definition der Antwortspektren und ein Vergleich mit dem neuen Nationalen Anwendungsdokument für Deutschland. Im Anschluss erfolgen die Gegenüberstellung der Erdbebeneinwirkungen in den Grenzbereichen zwischen Deutschland und den Anrainerstaaten sowie ein Vergleich der Antwortspektren im Hinblick auf die Spektralform und die Amplifikationsfaktoren. Der Vergleich der Antwortspektren mit den Anrainerstaaten für frei gewählte Standorte entlang der Landesgrenzen zeigte, dass die Antwortspektren nach dem neuen Nationalen Anwendungsdokument für Deutschland für die betrachteten Standorte in der Tendenz unter denen der Spektren der Nachbarländer liegen. Den Abschluss des Berichts bildet eine zusammenfassende Beurteilung der Untersuchungsergebnisse.

Aktualisierung des Bewertungskonzepts zur Umweltverträglichkeit von Beton

Forschende Stelle:

RWTH Aachen
Institut für Bauforschung
Frau Prof. Dr.-lng. Vollpracht
Schinkelstraße 3
52062 Aachen

Lfd. Nr.: 20.101

Dieses Projekt schließt inhaltlich an ein 2019 abgeschlossenes Projekt an, das die Überarbeitung des aktuellen Bewertungskonzepts zur Umweltverträglichkeit von Beton des DIBt behandelte. Anlass des vorherigen Projekts war die Absenkung der Geringfügigkeitsschwellen (GFS) vieler umweltrelevanter Parameter durch die Bund-/Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) im Jahr 2016 gegenüber den GFS von 2004. Eine Übernahme der aktuellen GFS von 2016 in das derzeit gültige Bewertungskonzept würde dazu führen, dass viele normkonforme Betone die Anforderungen nicht mehr erfüllen.

Das überarbeitete Konzept würde ohne Berücksichtigung der Wechselwirkungen eluierter Substanzen mit dem Boden zu einer weiteren Senkung der zulässigen Freisetzungen führen. Es wurde jedoch gezeigt, dass sich bei Berücksichtigung der Sorption mittels eines für einen niederländischen Standardsandboden durch geochemische Modellierung berechneten Kd-Werts im Modell die zulässigen Freisetzungen wesentlich erhöhen. Dieser Kd-Wert ist jedoch relativ hoch und erscheint daher für eine Worst-Case-Betrachtung nicht geeignet. Daher wurden in diesem Vorhaben Mindest-Kd-Werte ermittelt, die gemäß des Bewertungskonzepts zur Einhaltung der Anforderungen für normkonforme Betone führen würden.

Durch Auswertung der ibac-internen Standtestdatenbank wurden die 95. Perzentilen der Freisetzungen für die 16 von der LAWA reglementierten, umweltrelevanten Elemente bestimmt. Anschließend wurden unter Annahme einer diffusionskontrollierten Freisetzung Simulationen mit unterschiedlichen Kd-Werten durchgeführt. Dann wurde der funktionale Zusammenhang zwischen dem Kd-Wert und dem Quotienten aus der simulierten Grundwasserkonzentration und der Freisetzung E64d im Standtest ermittelt. Anhand der GFS von 2016 und dem jeweiligen 95. Perzentil der Freisetzung der Datenbank wurde der zur Einhaltung der GFS am Ort der Beurteilung im Modell benötigte Mindest-Kd-Wert berechnet.

Bei der Modellierung wurden folgende Unterschiede zum aktuellen Modell aus dem Vorgängerprojekt übernommen:

  1. Die Mittelung der Konzentrationen am Ort der Beurteilung erfolgte räumlich über 2 ∙ 2 ∙ 2 m3. Dann wurden alternativ zwei weitere Varianten gerechnet: eine Mittelung über 1,5 ∙ 1,5 ∙ 1,5 m3 und die Betrachtung der Konzentration an einem Punkt in 1,5 m Abstand zum Bauwerk mittig in dessen Fließschatten.
  2. Der Umrechnungsfaktor fP = 0,1 zur Berücksichtigung der effektiven Porosität des Bodens ist entfallen.
  3. Zur Berücksichtigung der verschärften Prüfbedingungen durch das deionisierte Wasser anstelle von Grundwasser wurde der Umrechnungsfaktor fW = 0,3 verwendet.

Für einen Großteil der Elemente ist ein Kd-Wert von 1 l/kg ausreichend, um das Bewertungskonzept unter Verwendung des hier eingesetzten Modells und der aktuell gültigen GFS von 2016 zu aktualisieren. Kd-Werte von bis zu 11,2 l/kg wären für Thallium erforderlich. Im Vergleich zu einer Mittelung über 2 ∙ 2 ∙ 2 m3 sind für eine Mittelung über 1,5 ∙ 1,5 ∙ 1,5 m3 max. rd. 23 % höhere, bei Betrachtung des Punktes in 1,5 m Abstand zum Bauwerk hingegen max. rd. 21 % niedrigere Kd-Werte erforderlich.